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01.07.1996

Kombucha - was ist das?

Kombucha ist die Bezeichnung für ein aus dem ostasiatischen oder russischen Raum stammendes, alkoholhaltiges Gärgetränk, hauptsächlich auf Basis von schwarzem oder grünem Tee. Der Kombucha-"Teepilz" ist kein Pilz im botanischen Sinn, sondern eine Symbiose von Essigsäurebakterien mit verschiedenen säurefesten Hefen in variabler Zusammensetzung. Er stellt ein dünnes, sich über die ganze Teeoberfläche ausbreitendes, mehrschichtiges, hautähnliches Gebilde von gallertig-schleimiger bis zähledriger Konsistenz dar. Die sich fortlaufend neu bildenden Schichten können als eine Art "Ableger" genutzt werden. Aufgrund der genannten Eigenschaften wird er auch "Wolga-Qualle" genannt.

Innerhalb weniger Tage verarbeiten die Mikroorganismen den dem Tee zugesetzten Zucker zu Essigsäure, Milchsäure, Alkohol und Kohlendioxid. Die "Teepilz"-Bakterien nutzen Stoffwechselprodukte der Hefen als Energiesubstrat, die Hefen wiederum profitieren von den bakteriellen Produkten Gallertschicht und Säure. Der niedrige pH-Wert von ca. 1,8 (nach 24 Std.) bietet zusammen mit verschiedenen organischen Säuren Schutz gegen wenig säuretolerante Fremdkeime. Abhängig von den Kulturbedingungen, der Zusammensetzung und Stoffwechselaktivität des Kombucha-"Pilzes" und v. a. der Länge der Gärungszeit (Empfehlungen schwanken zwischen 24 Stunden und 2 Wochen) wird der Geschmack des fertigen Getränkes als eher erfrischend-fruchtig über säuerlich bis essigsauer beschrieben.
In 100 ml im Handel erhältlichem, fertig vergorenem Kombucha sind neben 6,2 g Glucose, 2,8 g Fructose, 0,9 g Alkohol, je 0,2 g Saccharose und Essigsäure, 0,04 g Milchsäure und 0,1 g Ascorbinsäure (Vitamin C) auch viele Enzyme sowie Gluconsäure und weitere Vitamine enthalten.

Dem Getränk werden zahlreiche therapeutische Wirkungen zugeschrieben: So sollen bei Erkrankungen wie Gicht, Rheuma, Arteriosklerose, Magen-Darmbeschwerden, Bluthochdruck, Immunschwäche und Diabetes positive Wirkungen beobachtet worden sein. Auch bei Abgeschlagenheit, Nervosität und Angstzuständen bringt der regelmäßige Genuß des Getränkes angeblich Linderung. Wissenschaftliche Belege aus den letzten Jahrzehnten allerdings sind für diese medizinischen Eigenschaften, zumindest im westlichen Sprachraum, nicht bekannt. Abgesehen von dem berühmten Placebo-Effekt ist Kombuchagenuß als Ursache für eine Heilung recht unwahrscheinlich. Im Gegenteil: Wegen seines hohen Gehaltes einfach resorbierbarer Zucker ist Kombucha gerade für an Diabetes Erkrankte ein denkbar ungünstiges Getränk und daher nicht als regelmäßiger Durstlöscher zu empfehlen. Eine möglicherweise schwach desinfizierende Wirkung des Getränkes könnte mit seinem Gehalt an Essig- und Milchsäure erklärt werden, ein evtl. mild laxierender Effekt auf dem Vorhandensein von Hydroxycarbonsäuren (wie Milchsäure) beruhen.

Nebenwirkungen sind bislang nicht dokumentiert. Allerdings wurde kürzlich von zwei an Lactat-Acidose erkrankten Personen berichtet, die zuvor regelmäßig Kombucha (derselben Abstammung) konsumierten.
Für Immungeschwächte könnte u.U. ein gewisses Risiko durch die Kontamination des "Teepilzes" mit Fremdkeimen bestehen. Bei einer im Rahmen einer Diplomarbeit am Institut für Ernährungswissenschaft der Justus-Liebig-Universität Giessen durchgeführten Analyse von in Privathaushalten verwendeten Kombucha-"Pilzen" (n=34) fanden sich in Einzelfällen Schimmelpilze, Fremdhefen und (sehr selten) auch pathogene Hefen wie Candida albicans. Das Ansetzen des Getränkes sollte also unter streng hygienischen Bedingungen vor sich gehen. Neben der herkömmlichen Küchenhygiene können folgende Maßnahmen hilfreich sein:

  • Verwendung eines Ansatzgefäßes, welches Sauerstoffzufuhr zuläßt, aber vor Staub und Insekten geschützt ist
  • Anregung einer möglichst raschen Säurebildung zum Schutz vor fremden, möglicherweise aromaverändernden oder gesundheitsschädlichen Mikroorganismen
    • Ansäuern durch Essig, Zitrone oder bereits vergorenes Kombucha-Getränk bzw. ein geringer Alkoholzusatz als Substrat für die Acetobacter
  • Außerdem sollte die verwendete Pilzkultur, damit eine hohe Stoffwechselaktivität gewährleistet ist, nicht überaltern. Eine übermäßige Dicke der Pilzschicht, Dunkelfärbung oder gar dunkle, faltige, leicht zerreißbare Flecken an der Oberfläche sind Symptome hierfür

Im Handel werden sowohl die Teepilz-Kultur als auch das fertig vergorene Getränk angeboten. Kombucha-Getränk ist nicht als Arzneimittel zugelassen, es wird im Naturkosthandel z. T. als "Biologisches Lebensmittel" vertrieben. Gemäß den Richtlinien des Bundes für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL) zählt es wegen seines Alkohol- und Essigsäuregehaltes nicht zu den Erfrischungsgetränken, noch entspricht es aufgrund seiner speziellen Zusammensetzung den Gärungsgetränken. Rechtlich wird es als Lebensmittel (vorerst "Lebensmittel eigener Art") eingestuft und unterliegt somit dem Lebensmittel- und Bedarfsgegenständegesetz.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie auf den Kombucha-Seiten

Eine sehr ausführliche Bibliographie zum Thema "Der Teepilz (Kombucha) und seine antibiotische Wirkung" wurde von Prof. Dr. Stadelmann (Univ. of Minnesota) zusammengestellt.

Literatur:

  • Currier, R. W. et al.
    Unexplained severe illness possibly associated with consumption of Kombucha tea-Iowa, 1995
    JAMA 275(2), 96-98, 1996
  • Franz, W.
    Infektionsrisiko durch Kombucha?
    UGB-Forum 12(2), 110, 1995
  • Fromme, S.
    Der Teepilz "Kombucha". Analyse des Hefespektrums unter besonderer Berücksichtung fakultativ pathogener Hefen
    Diplomarbeit am FB 19 der JLU Gießen, 1994
  • Berges, U.
    Getränke mit heilender Kraft?
    UGB-Forum 11(3), 155-158, 1994
  • Staib, F.
    Kombucha-"Pilz"
    Deutsche Medizinische Wochenschrift 117(3), 118, 1992
  • Kletter, C.
    Kombucha - der Teepilz. Wie ist er aus wissenschaftlicher Sicht zu bewerten?
    Deutsche Apotheker Zeitschrift 130(41), 2266-2270, 1990
  • Benk, E.
    Über Teepilz-Gärgetränk
    AID Vebraucherdienst 33(10), 213-214, 1988


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