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Rubrik:
Texte > Ernährung und Krankheit > Atopie, Neurodermitis > |
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27.05.2003

Kinder und Neurodermitis – Vorbeugen hilft!
- KRANKHEITSBILD
- RISIKOFAKTOREN FÜR DIE ENTWICKLUNG VON NEURODERMITIS
- IST NEURODERMITIS HEILBAR?
- ERNÄHRUNG UND NEURODERMITIS
--- Präventive Ernährung in den ersten beiden Lebensjahren
--- Lebensmittelallergien und -unverträglichkeiten als Auslöser
--- Wenn die Erkrankung bereits ausgebrochen ist
- WAS SONST NOCH HELFEN KANN
- Literatur
KRANKHEITSBILD
Neurodermitis wird synonym verwendet mit "atopische Dermatitis" und "atopisches"
oder "endogenes Ekzem". Der bekannteste Name in der Fachsprache ist die Bezeichnung
atopisches Ekzem (atopic dermatitis). Der Begriff Atopie beschreibt stets eine
ererbte Bereitschaft zu allergischen Reaktionen.
Bei der Neurodermitis handelt es sich um eine chronische oder chronisch-rezidivierende
(wiederkehrende), nicht ansteckende (kontagiöse), entzündliche Hauterkrankung
mit starkem Juckreiz. Die Erkrankung zeigt sich meist schon im Säuglingsalter
und kann bis zum Erwachsenenalter bestehen bleiben (3). Es
handelt sich um ein multifaktorielles Krankheitsgeschehen, dessen Schübe sowohl
durch endogene als auch exogene Einflussfaktoren hervorgerufen werden.
RISIKOFAKTOREN FÜR
DIE ENTWICKLUNG VON NEURODERMITIS
Wissenschaftlich konnte eindeutig nachgewiesen werden, dass Neurodermitis familiär
gehäuft vorkommt. Vererbt wird aber nicht isoliert die Neurodermitis, sondern
die Neigung zur übermäßigen Reaktionsbereitschaft des Immunsystems. Ob bei einem
Kind ein hohes Neurodermitis - Risiko besteht, hängt entscheidend davon ab, ob
die Eltern selbst eine Neurodermitis als Kind hatten oder noch haben und wie hoch
die Allergieneigung in der Familie im Allgemeinen ist.
Laut einer Leitlinie der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) und des
Berufsverbandes Deutscher Dermatologen (BVDD) zum Thema "Atopische Dermatitis"
liegt das Risiko, dass ein Kind Neurodermitis entwickelt bei 60-80%, wenn beide
Elternteile unter der gleichen atopischen Erkrankung leiden. In diesem Zusammenhang
wird hervorgehoben, dass eine positive mütterliche Atopieanamnese und eine positive
Familienanamnese für eine atopische Dermatitis besonders hohe Risikofaktoren für
die Nachkommen darstellen (1).
Die Ursache der Erkrankung ist nur unvollständig bekannt. Der Ausbruch der Krankheit,
bei einer vorhandenen Veranlagung zur Neurodermitis, scheint jedoch durch bestimmte
Provokationsfaktoren begünstigt zu werden. In der bereits oben genannten Leitlinie
fasst die DDG und der BVDD die diskutierten Faktoren wie folgt zusammen:
Unspezifische Provokationsfaktoren
- - Irritation der Haut u. a.
durch bestimmte Textilien (z. B. Wolle), Schwitzen, falsche Hautreinigung,
bestimmte berufliche Tätigkeiten (feuchtes Milieu, stark verschmutzende Tätigkeiten)
und Tabakrauch
- - Psychischer Stress bzw. emotionale
Faktoren
- - Bakterielle und virale Infekte
- - Ultraviolettes Licht (selten)
- - Wetterfaktoren wie extreme
Kälte und/oder Trockenheit
- - Hormonelle Faktoren (z. B.
während Schwangerschaften)
Spezifische Provokationsfaktoren
- - Immunglobulin-E-vermittelte
Allergien auf Hausstaubmilben, Tierepithelien, Pollen, Nahrungsmittel (Kinder
vor allem Kuhmilch, Ei, Soja, Weizen, Haselnuss, Erdnuss und Fisch; Erwachsene
u. a. pollenassoziierte Nahrungsmittelallergene wie [Roh-] Obst und -Gemüse,
Nüsse)
- - Mikrobielle Antigene (Staphylokokken,
Pityrosporum ovale)
Fest scheint auch zu stehen, dass
Neurodermitis mit dem Sozialstatus korreliert, denn wie einige epidemiologische
Studien zeigen, findet sich die Krankheit in sozial höher gestellten Familien
häufiger (Williams, 2000).
Auch der Verdacht, dass ein Zusammenhang zwischen Passivrauchen und kindlicher
Neurodermitis besteht, erhärtet sich zunehmend (Schäfer et al., 1997). Schon
alleine deswegen und aufgrund der Tatsache, dass das Kind mit dem sogenannten
Nebenstromrauch krebsauslösende Stoffe in teilweise höheren Konzentrationen
aufnimmt, sollte auf Rauchen in der Nähe von Kindern unbedingt verzichtet werden.
Ein weiteres Konzept zur Entstehung der Neurodermitis beruht auf der Vorstellung
eines Enzymmangels (2). Dabei handelt es sich um ein Schlüsselenzym
des Fettstoffwechsels, der delta 6 Desaturase. Unter dem Einfluss dieses Enzyms
entstehen aus mehrfach ungesättigten Fettsäuren die Ausgangssubstanzen für die
Eicosanoidsynthese. Von zentraler Bedeutung im Zusammenhang mit der Neurodermitis
ist dabei die eingeschränkte Bildung von Eicosanoiden mit entzündungshemmenden
Eigenschaften. So findet aufgrund des Mangels an delta 6 Desaturase nur noch
eine eingeschränkte Umwandlung von Linolsäure in Gamma-Linolensäure, die Ausgangssubstanz
der entzündungshemmenden Eicosanoiden der Serie 1 (Prostaglandin E1), statt
(Kasper, 2000a). Zudem gibt es Hinweise darauf, dass Prostaglandin E1 wesentliche
immunregulatorische Wirkungen in der Haut zukommen. Es wird deshalb angenommen,
dass ein Mangel an diesem Gewebshormon in der frühen Säuglingsphase u. a. eine
überschießende Immunglobulin-E-Synthese (IgE = Antikörper) zur Folge hat (Kasper,
2000b). Dies führt dann zu allergischen Reaktionen.
IST NEURODERMITIS
HEILBAR?
Neurodermitis an sich ist nicht heilbar. Man kann lediglich vorbeugend und mildernd
eingreifen. D.h. dass Eltern, deren Kind eine erbliche Neigung zur Entwicklung
von Neurodermitis haben, gezielter darauf achten sollten, den Kontakt des Kindes
mit eventuellen Reizfaktoren, vor allem im ersten Lebensjahr, so gering wie
möglich zu halten. Somit können z. B. eventuelle Unverträglichkeitsreaktionen
auf bestimmte Nahrungsmittel von vornherein verhindert werden.
Da im Säuglingsalter häufig eine überschießende Reaktion des Immunsystems auf
Fremdkörper/Allergene wie z. B. der Eiweißkomponente der Kuhmilch für den Ausbruch
der Neurodermitis verantwortlich ist, kommt dieser Art der Vorbeugung eine zentrale
Rolle zu. Die Bekämpfung der Hautentzündungen mit entzündungshemmenden Wirkstoffen
wie Kortison kann zwar das Krankheitsbild verbessern und den Juckreiz mildern,
aber nicht die Eigenart des Immunsystems beseitigen. Bei den meisten Kindern
bessert sich die Hauterkrankung jedoch mit der Zeit ganz wesentlich, bei vielen
verschwindet sie auch ganz.
ERNÄHRUNG UND NEURODERMITIS
Präventive Ernährung in den ersten beiden
Lebensjahren
Bereits seit Jahrzehnten ist die Prävention atopischer Erkrankungen wie der
Neurodermitis durch frühkindliche Ernährung ein Forschungsschwerpunkt. Inzwischen
zeigen einige Studien, dass den wichtigsten Beitrag zur Prävention von Neurodermitis
die Mutter selbst leisten kann, indem sie ihr Baby stillt (Kramer et al., 2001).
Böttcher und Jenmalm (2002) machen in einem Editorial zum Thema Stillen und
der Entwicklung von Neurodermitis mehrere Faktoren für den schützenden Effekt
des ausschließlichen Stillens verantwortlich. So könnte der schützende Effekt
auf einer positiven Beeinflussung der Mikroorganismenflora des Darms durch Inhaltsstoffe
der Muttermilch beruhen. Auch die Übertragung von Immunfaktoren und entzündungshemmenden
Faktoren über die Muttermilch könnten durch positive Beeinflussung des Immunsystems
des Neugeborenen den Schutzeffekt erklären. Muttermilch ist zudem allergenärmer
als Kuhmilch.
Stillen wird heute als ausschließliche Ernährung für die ersten 4-6 Lebensmonate
empfohlen. Dennoch stillen laut Gaßmann (2001) gegenwärtig lediglich 45-50%
der Mütter bis zum 4. Monat voll. Diese Angabe stimmt mit den seit kurzem veröffentlichten
Ergebnissen der GINI (German Infant Nutritional Intervention)-Studie (50,4%)
überein. Das Ziel der Studie bestand unter anderem darin, herauszufinden, inwieweit
die Empfehlung zum Stillen gerade bei Kindern mit atopischer Vorbelastung von
den Müttern umgesetzt wird. Es zeigte sich, dass Kinder mit atopischer Vorbelastung
nicht signifikant häufiger gestillt wurden als Kinder ohne Vorbelastung (Brockow
et al., 2003). Dieses Ergebnis deutet darauf hin, dass sich die Mütter des präventiven
Potentials der Muttermilch nicht bewusst sind und legt nahe, dass mehr Informationen
über atopiepräventive Ernährung für die Mütter zugänglich gemacht werden muss.
Lebensmittelallergien und
Lebensmittelunverträglichkeiten als Auslöser der Neurodermitis?
Bei einem Drittel der Kleinkinder mit Neurodermitis sind Lebensmittelallergien
als Einflussfaktor bekannt. Am häufigsten treten Lebensmittelallergien im Alter
von 0 bis 3 Jahren auf. In einigen Fällen verschwinden jedoch die Krankheitssymptome
bei den betroffenen Kindern bis zum Schulalter (4) (Ehlers,
2001).
Kuhmilcheiweiß ist der häufigste Auslöser einer Lebensmittelallergie, weil es
oft das erste Fremdeiweiß darstellt, mit dem das Neugeborene über die Säuglingsmilch
in Kontakt kommt (Gaßmann, 2001). Die meisten Säuglingsmilchnahrungen, die als
Ersatz für Muttermilch gefüttert werden, sind aus Kuhmilch hergestellt. Entsprechend
den deutschen Ernährungsempfehlungen für allergiegefährdete Säuglinge sollte
deshalb vier, besser sechs Monate (nicht länger!), voll gestillt werden. Zudem
sollten feste Lebensmittel, d. h. die sog. Beikost, frühestens ab dem 5. Lebensmonat
gegeben werden. Neben Milchprodukten, sollten auch Hühnerei, Fisch, Nüsse sowie
Zitrusfrüchte nicht bis Ende des 1. Lebensjahres gegeben werden. Burks et al.
(1998) konnten mit Hilfe eines Hauttests (Pricktest) zeigen, dass von den insgesamt
beobachteten allergischen Reaktionen auf Lebensmittel 89% auf die oben genannten
Gruppen zurückzuführen waren.
Aufgrund des hohen Risikos einer Allergieentwicklung bzw. einer Lebensmittelunverträglichkeit
sollte bei der Zufütterung ergänzend darauf geachtet werden, dass jeweils nur
ein neues Nahrungsmittel pro Woche eingeführt wird. Wenn nur ein geringes Allergierisiko
bei einem Säugling vorliegt (z. B. nur ein allergiekrankes Familienmitglied)
und wenn im 1. Lebenshalbjahr noch keine Symptome einer Neurodermitis aufgetreten
sind, kann laut Empfehlungen der DGE Kuhmilch im Verlauf des 2. Lebenshalbjahres
wieder vorsichtig eingeführt werden (6).
Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung liegt bei insgesamt 60%
der neurodermitiskranken Säuglinge und Kinder keine echte Lebensmittelallergie
vor, sondern nur eine Überempfindlichkeit gegenüber bestimmten Lebensmitteln,
die meist wieder verschwindet, wenn die auslösenden Lebensmittel weggelassen
werden. Gegenüber welchen Lebensmitteln oder Lebensmittelinhaltsstoffen das
Kind empfindlich reagiert, kann mit einer Suchdiät festgestellt werden. Dabei
wird unter Betreuung eines Arztes oder einer Ernährungsberaterin zunächst über
3-4 Wochen mit einer allergenarmen Ernährung geprüft, ob die Hauterscheinungen
verschwinden. Danach wird im Abstand von 4 bis 6 Tagen jeweils ein Lebensmittel
eingeführt, entsprechende Hautkontrollen lassen die Lebensmittel erkennen, die
eine Überempfindlichkeit auslösen. In diesem Kontext rät Prof. Kasper, nur dann
Lebensmittel aus dem Speiseplan zu streichen, wenn eindeutig eine Überempfindlichkeit
festgestellt wurde, da sonst die Gefahr besteht, dass Nährstoffmängel auftreten
(5).
Für Mütter, die nicht stillen wollen und für Mütter, denen Stillen nicht möglich
ist oder bei denen die Milchmenge nicht mehr ausreicht, empfiehlt die DGE die
Verwendung von hypoallergener Säuglingsanfangsnahrungen sog. HA-Nahrung (HA
= hypoallergen/hypoantigen).
HA-Nahrung ist dadurch gekennzeichnet, dass ihr Eiweißanteil durch enzymatische
Spaltung und z. T. Erhitzen in Eiweißbruchstücke mit niedrigem Molekulargewicht
gespalten wird. Dadurch geht das Antikörperbildungsvermögen verloren und somit
die Fähigkeit, allergische Reaktionen beim neurodermitischen Kind auszulösen
(6), (7), (Endres, 2000).
Wenn die Erkrankung bereits
ausgebrochen ist
Eine spezielle Neurodermitis-Diät gibt es nicht. Es sollten wirklich nur die
Lebensmittel gemieden werden, die bewiesenermaßen (z. B. durch Suchdiät) beim
jeweiligen Kind zu Unverträglichkeitsreaktionen führen. Rigide Diätvorschriften
(z. B. ganz ohne tierisches Eiweiß) können zu Mangelerscheinungen führen und
besonders bei Kindern irreversible Folgen haben. Auch bei Neurodermitis sollte
deshalb auf eine vollwertige
Ernährung, die alle Nährstoffe in ausreichender Menge enthält, geachtet
werden (5).
WAS SONST NOCH HELFEN
KANN
In neuerer Zeit wurde die Darmflora und ihr Einfluss auf den Gesamtorganismus
zunehmend Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen. Auch im Zusammenhang
mit der Neurodermitis beschäftigten sich inzwischen mehrere Studien mit der
Frage, ob durch die Gabe von Probiotika die Funktion der Darmmukosa in einem
Maße optimiert werden kann, dass der Antigenübertritt reduziert wird bzw. immunmodulatorische
Effekte der Probiotika die Krankheit verhindern/ verbessern können (Rautava
et al., 2002; Kalliomäki, 2001; Isolauri, 2000; Majamaa und Isolauri, 1997).
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) (8) hat in einem Abschlußbericht
über probiotische Mikroorganismenkulturen in Lebensmitteln folgende Begriffsbestimmung
für "Probiotika" erarbeitet:
"Probiotika sind definierte lebende Mikroorganismen, die in ausreichender Menge
in aktiver Form in den Darm gelangen und hierbei positive gesundheitliche Wirkungen
erzielen."
Wissenschaftler gehen davon aus, dass vor allem die in westlichen Ländern vorherrschenden
Hygienemaßnahmen eine wesentliche Rolle bei der Entwicklung von Allergien spielen.
Begründet wird diese Annahme durch eine unzureichende Reife des Immunsystems.
Wie von Laiho et al. (2002) dargestellt, entwickelt die Darmmukosa erst bei
ausreichendem Kontakt und Besiedlung durch bestimmte harmlose (nicht-pathogene)
Mikroorganismen ihre vollständige protektive Abwehreigenschaft. Bei der Geburt
ist der Darm des Neugeborenen noch steril und unreif. Auch das lymphatische
Gewebe (die sogenannten Peyer-Plaques) des Dünndarms, das zu einem der wichtigsten
Organe des Immunsystems zählt, ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht vollständig
entwickelt.
Forschungsarbeiten, die sich mit den immunmodulatorischen Effekten von Probiotika
befassten, konnten inzwischen zeigen, dass v. a. einige Milchsäurebakterien-Stämme
positive Einflüsse auf das Immunsystem ausüben können. Der positive Einfluss
äußerte sich dabei z. B. durch einen induzierten Anstieg bestimmter Immunglobuline,
wie Immunglobulin-A (IgA), durch eine erhöhte, nicht spezifische Phagozytosetätigkeit
(Phagozyten = Fresszellen; phagos = fressen) oder durch eine erhöhte Bildung
bestimmter, nicht pro-inflammatorischer (entzündungsfördernde) Cytokine (8).
Ein Anstieg der IgA-Produktion erhöht das Abwehrpotential der Darmmukosa, da
sich IgA an Antigene bindet und damit deren Übertritt durch die Darmwand verhindern
kann. Hinzu kommt, dass, die dabei entstehenden IgA-Antigen-Komplexe schnell
vom lymphatischen Gewebe aufgenommen werden, was wiederum zu einem Anstieg der
IgA-Produktion in den Peyer-Plaques führt. Am Beispiel des IgA wird deutlich,
wie Probiotika einen Antigenübertritt reduzieren und somit der Gefahr der Entwicklung
einer Neurodermitis entgegenwirken könnten.
2001 wurden die Ergebnisse einer finnischen Studie veröffentlicht, an der 159
schwangere atopische Frauen teilnahmen. Die Neugeborenen wurden bis zum zweiten
Lebensjahr im Hinblick auf die Entwicklung einer Neurodermitis und Sensibilisierungen
in Allergietests nachuntersucht. Zwei bis vier Wochen vor der Geburt erhielt
ein Teil der Mütter Probiotika in Kapseln, die anderen die gleiche Kapsel ohne
Probiotika. Auch die Neugeborenen erhielten in den ersten sechs Monaten entweder
Probiotika oder Placebo. Es zeigte sich, dass im zweiten Lebensjahr deutlich
weniger Kinder aus der Probiotikagruppe eine Neurodermitis hatten als Kinder
aus der Placebogruppe. Sensibilisierungen z. B. gegen Nahrungsmittelallergene
waren jedoch bei den mit Probiotika behandelten Kindern genauso häufig nachzuweisen
wie bei denen in der Kontrollgruppe (Kalliomäki, 2001).
Die Forscher Majamaa und Isolauri befassten sich bereits 1997 mit der Frage,
ob probiotische Lactobazillen bei oraler Gabe einen Einfluss auf die Intensität
der Hauterkrankung zeigen. Untersucht wurden 2,5-16 Monate alte Kinder mit klinisch
gesicherter Neurodermitis. Dabei wurden zwei Patientengruppen miteinander verglichen:
- Gruppe 1: Ausschließliche Ernährung mit einer Formula-Diät aus hochgradig
hydrolysiertem (aufgespaltetem) Molkeneiweiß.
- Gruppe 2: Ausschließliche Ernährung mit der gleichen Formula-Diät mit einem
Zusatz von Lactobazillus GG, einem relativ gut untersuchtem probiotischen Milchsäurebakterium.
Die Intensität der Hauterkrankung wurde vor und nach der Therapie mit Hilfe
eines Scors (SCORAD-Methode) erfasst. Im Vergleich zu der Gruppe, die mit Formula-Diät
auf der Basis von hydrolysiertem Molkeprotein ernährt wurde, kam es bei den
Kindern, die zusätzlich probiotische Milchsäurebakterien (Lactobazillus GG)
erhielten, zu einem signifikanten Abfall des Scors. Zu einer entsprechenden
klinischen Besserung kam es weiterhin dann, wenn die stillenden Mütter Lactobazillus
GG oral aufnahmen. Die Ergebnisse dieser Studie deuten darauf hin, dass die
orale Einnahme von probiotischen Mikroorganismen eine zusätzliche Möglichkeit
für Mütter darstellt gegen Neurodermitis vorzubeugen. Es gibt derzeit jedoch
noch keine Empfehlung für eine solche Maßnahme.
Es bleibt abzuwarten, inwieweit die zukünftige Forschung auf dem Gebiet der
Neurodermitis zum einen weitere Ergebnisse über die genauen pathophysiologischen
Mechanismen, die der Neurodermitis zu Grunde liegen, liefert und zum anderen
den Einfluss der Probiotika herausarbeiten kann. Erst wenn ausreichend wissenschaftlich
fundierte Ergebnisse zu den verschiedenen Stämmen probiotischer Mikroorganismen
vorliegen, kann über eine gezielte Anreicherung von Lebensmitteln mit Probiotika
zur vorbeugender Maßnahme vor Neurodermitis nachgedacht werden. Mit Probiotika
angereicherte Lebensmittel könnten v. a. den Müttern, die nicht stillen wollen
oder können, eine weitere Möglichkeit bieten, ihr Kind vor der Hauterkrankung
zu schützen.
LITERATUR:
Internetquellen:
(1) AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen
Fachgesellschaften) online: Leitlinie der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft
(DDG) und des Berufsverbandes Deutscher Dermatologen (BVDD) zum Thema "Atopische
Dermatitis" (Stand: 23.04.2003)
(2) Verein Netzwerk Neurodermitits: Ursachen
der Neurodermitis (Stand: 23.04.2003)
(3) Roche Lexikon Medizin: Atopisches
Ekzem (Stand: 24.04.2003)
(4) Deutsche Gesellschaft für Ernährung: "DGE
gründet Arbeitsgruppe Diätetik in der Allergologie." (2001)
(5) Deutsche Gesellschaft für Ernährung: "DGE
empfiehlt bei Neurodermitis vollwertige Ernährung." (1997)
(6) Deutsche Gesellschaft für Ernährung: "Allergierisiko
beim Säugling" - "Frage: Kann das Allergierisiko beim Säugling durch eine
entsprechende Ernährung vermindert werden?" (2000)
(7) Deutsche Gesellschaft für Ernährung: "Die
richtige Milch für nicht gestillte Säuglinge" s. Tabelle 3: Industriell
hergestellte HA-Nahrung (2000)
(8) Bundesinstitut für Risikobewertung: Abschlussbericht
der Arbeitsgruppe "Probiotische
Mikroorganismenkulturen in Lebensmitteln" am BGVV (1999)
Zeitschriften:
Böttcher MF, Jenmalm, MC: Breastfeeding and the development of atopic disease
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Brockow I, Franke K, Zirngibl A, Grübl A, Bauer CP, Koletzko S, Bollrath C,
von Berg A, H.-E., Wichmann HE: Beeinflussung des Stillverhaltens durch familiäre
atopische Vorbelastung und unterschiedliche Information über atopiepräventive
Ernährung. Monatsschr Kinderheilkd 2003; 151 (1): 61-67
Burks AB, James JM, Hiegel A, Wilson G, Wheeler JG, Jones SM, Zuerlein N: Atopic
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Ehlers I: Lebensmittelunverträglichkeiten bei atopischer Dermatitis. Ernährungsumschau
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Endres W: Prevention of Food Allergy in Infants and Children (Review). Ann Nutr
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Gaßmann B: Atopie bei Kindern. Ernährungsumschau 2001; 1: 31-35
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Kasper H. Ernährungsmedizin und Diätetik. 9. Auflage. München, Jena: Urban &
Fischer Verlag; 2000b: 403-405
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