Vitaminpräparate in der Diskussion
Statt auf eine ausgewogene Ernährung zu achten, versuchen zunehmend mehr Menschen einen “Ausgleich” über Multivitaminpräparate etc. zu schaffen. Doch die Hoffnung dürfte mehr als trügerisch sein.
Ein Forscherteam unter Leitung von Goran Bjelakovic von der serbischen Universität Nis kommt in einer Auswertung von 14 Studien an insgesamt 170 000 Teilnehmern zu dem Schluss, dass Vitaminpräparate nicht vor Krebs im Verdauungstrakt schützen.
Kombinationen aus Vitamin A und Beta-Carotin sowie Beta-Carotin und Vitamin E erhöhten hier sogar das Risiko an Magen- oder Darmtumoren. Nur für Selen-Präparate konnte ein mäßig vorbeugender Effekt gefunden werden.
Die internationale Studiengruppe unter Dr. Goran Bjelakovic (Abteilung für Innere Medizin der Universität Nis), dänischen Experten und Mitgliedern der Cochrane Hepato-Biliary Group erstellten jetzt die wohl größte Meta-Analyse in Sachen Antioxidantien und die Verhinderung von gastrointestinalen Krebserkrankungen.
Insgesamt identifizierten die Wissenschaftler 14 randomisierte Studien mit 170.525 Probanden zu diesem Thema (The Lancet, Volume 364, Issue 9441, Page 1219, 2. Oktober 2004). Insgesamt handelte es sich durchwegs um Studien mit hoher Qualität. Die Heterogenität der Resultate war gering.
Die Wissenschaftler fassten die Ergebnisse folgendermaßen zusammen: Keine der Analysen zeigte einen signifikanten Effekt solcher Vitaminpräparate mit Beta-Carotin, Vitamin A, C, E und Selen (allein oder in Kombination) gegenüber Placebo bei der Häufigkeit von Ösophagus-, Magen-, kolorektalen, Pankreas- und Leberkarzinomen.
Im Gegenteil: In sieben der untersuchten Studien gab es sogar eine signifikante Steigerung der Mortalität. Bei vier Studien, von denen allerdings drei als in ihrer Methodik mangelhaft eingestuft wurden, zeigte sich für Selen ein signifikanter positiver Effekt in der Verhinderung von gastrointestinalen Krebserkrankungen.
Die Experten: “Wir konnten keinen Hinweis dafür finden, dass Antioxidantien-Präparate gastrointestinale Krebserkrankungen verhindern können. Im Gegenteil, sie scheinen die Gesamtsterblichkeit zu erhöhen. Der mögliche positive Effekt von Selen sollte in guten randomisierten Studien weiter untersucht werden.”
Die Aussagekraft von Studienergebnissen, welche auf diese Art der Meta-Analyse zusammengefasst werden, muss allerdings kritisch geprüft werden. Sie wird von der Fachwelt in einigen Punkten als “sehr vorläufig” bezeichnet und (in der gleichen Lancet-Ausgabe) von Fachleuten sogar kritisiert (Quelle: David Forman, Douglas Altman, Vitamins to prevent cancer: supplementary problems, The Lancet, Vol. 364 1193-94, 2004).
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Thema: Vitamine, Vitaminpräparate