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Insekten essen – Ekel oder Genuss?

von User

Insekten essen? Das löst bei vielen Menschen Ekel aus. Dabei stehen sie in vielen Teilen der Erde als Nahrungsmittel auf dem Speiseplan.\r\nIn westlichen Kulturkreisen ist heutzutage der Verzehr von Insekten (Entomophagie) nicht sehr verbreitet. In Deutschland beschränkt er sich zur Zeit noch auf Überlebenskünstler und einige wagemutige Zoologen. [5] Für große Teile der Bevölkerung Asiens, Afrikas und Südamerikas stellen Insekten auch heute eine wichtige Nahrungsquelle und einen billigen Ersatz für Fleisch dar. [1] [3] Wieso haben viele Menschen diesen Ekel, Insekten zu essen? Wieso essen wir dann Krabben, die mit Insekten durchaus vergleichbar sind? Nach einer Ausgabe des Food Insects Newsletters essen 100 % der Weltbevölkerung unabsichtlich! Insekten und 80 % absichtlich. [2] [3] Ganze Hundertschaften von Wissenschaftlern prophezeien, dass auch wir Europäer uns umstellen müssen. Mit schnell wachsender Weltbevölkerung werden Insekten, die leicht zu vermehren und zu halten sind, auch für die reichen Industrieländer zu einem wichtigen Nahrungsmittel. [2]

Entomophagie im Wandel der Geschichte

Schon der Dichter Aristophanes bediente sich der Insekten als Nahrungsmittel. Er bezeichnete Heuschrecken als „vierflügeliges Geflügel“. Die Römer ergötzten sich vor allem an einer Made namens Cossus (Weidenspinner). Im Mittelalter waren jedoch Insekten und Würmer nur auf der Speisekarte armer Leute. Vor dem 19. Jahrhundert galten außer den Insekten noch Igel, Marder, Fischotter und verschiedene Vogelarten als Delikatesse. Zu Anfang des 20. Jahrhunderts noch wurde zum Beispiel eine Bouillon aus Maikäfern in Nordhessen und Frankreich verspeist. [4] [10] Heutzutage erfährt der Verzehr von Insekten unter Feinschmeckern eine Renaissance. Sie erfreuen sich zunehmender Beliebtheit und stehen sogar auf exklusiven Speisekarten einiger Restaurants. [1] Ekel oder Genuss? Die Geschichte beweist also: auch westliche Kulturen aßen schon wie selbstverständlich Insekten. Wieso verschwanden diese Verzehrsgewohnheiten? Woher kommt unsere Abscheu? Essen ist nicht nur Geschmackssache. Essen ist Erziehung, Tradition und Gewohnheit. [2] Diese kulturellen Grundlagen sind z.B. verantwortlich dafür, dass wir Krabben als Delikatesse ansehen und uns beim Anblick von marinierten Maden ein leichter Schauer den Rücken herunterläuft. Anthropologen führen diese Entwicklung unterschiedlicher Esskulturen auf eine optimale Anpassung an die zur Verfügung stehenden Nahrungsquellen als Voraussetzung für das Überleben zurück. Grundsätzlich ist nämlich der „allesfressende“ Homo sapiens bestens ausgerüstet, um die verschiedensten Nahrungsquellen erschließen zu können. [1] Was passiert nun, wenn wir uns ekeln? Man rümpft die Nase, die Nasenlöcher sind verengt und die Zunge wird im geöffneten Mund nach vorne verschoben – ähnlich wie beim Erbrechen. Diese Verhaltensweise ermöglicht dem Mensch einen gewissen Schutz vor der Aufnahme tödlicher Mengen Gift, denn Ekel bringt uns vor allem dazu, bestimmte Dinge nicht zu essen, auszuspucken oder zu erbrechen. [4] Der Ekel vor bestimmten Geschmacksstoffen oder Gerüchen (z.B. faule Eier, faules Fleisch) ist zwar angeboren, ganz festgelegt sind Vorlieben und Abneigungen aber nicht. Innerhalb der ersten zwei Lebensjahre werden wir für unsere weiteren Nahrungsvorlieben geprägt. Einmal natürlich durch das Nahrungsangebot, andererseits lernen wir von den Eltern, was wir essen dürfen und was nicht. So stellt es für Kleinkinder zunächst kein Problem dar, Erde, Regenwürmer oder – im Experiment – simulierten Hundekot zu essen. Erst durch die Reaktion der Eltern lernen Kinder, diese „Nahrungsmittel“ zu meiden und als abstoßend zu empfinden. [4] Diese kulturell unterschiedliche Vermittlung von Verzehrsvorlieben lässt sich beispielhaft an einigen Kulturen belegen. Hindus essen z.B. kein Rindfleisch, Juden kein Schweinefleisch und bevor Sushi als schicke Lifestyle – Speise seinen Siegeszug nach Westen antrat, war roher Fisch auch nicht überall beliebt. Nach Expertenmeinungen werden diese Verhaltensweisen als Symbole des Zusammenhalts gedeutet. [4] Menschen sind aber durchaus in der Lage auf alternative Nahrungsquellen zurückzugreifen. Ein Beispiel hierfür ist die europaweite Vorliebe für Weinbergschnecken. [5] Nach David Gordon, Autor des Kochbuches „Eat-A-Bug“, hat die Abscheu Insekten zu essen, aber auch etwas mit der Entwicklung unserer Agrarkultur zu tun. Denn das Meiste, was da so kreuche und fleuche, zerstöre unsere Nahrung, unsere Ernten und unser Einkommen. Mit anderen Worten, der verhasste Schädling muss beseitigt werden. Ungeziefer zu essen, wäre dann ja, wie mit dem Feind ins Bett zu gehen. [9] Vor 50 Jahren war es bei Äpfeln normal, dass sich darin Würmer befanden, in Bohnenhülsen Käferbisse waren und die Blätter des Kohls von Würmern angefressen waren. Die meisten Menschen sind sich möglicherweise gar nicht bewusst, dass sie pro Jahr etwa 0,5 bis 1 Kilogramm Insekten essen. Denn man sieht sie nicht, da sie in Produkten wie beispielsweise Erdbeermarmelade, Erdnussbutter, Spaghettisauce, Apfelsauce und tiefgefrorenem Broccoli, in winzige Teile zermahlen, enthalten sind. [3] Dass die meisten westlichen Menschen Insekten nicht anrühren, könnte auch daran liegen, dass Insekten als unsauber gelten. [5] Viele Insekten sind jedoch viel sauberer als andere Lebewesen. Grashüpfer und Grillen fressen z.B. nur grüne Pflanzen. Krabben, Hummer und Katzenfische hingegen fressen jede Art von Schmutz, da sie als Aasfresser (Bodenwasserfresser) das Material zersetzen. [3]

Welche Insekten werden gegessen?

Weltweit werden über 1000 Insektenarten von Menschen gegessen. [3] In Zentral- und Südafrika, Asien, Australien und Südamerika stehen ca. fünfhundert Insektenarten auf dem Speiseplan. [2] Die Ostafrikaner z.B. schlemmen Kungu-Kuchen. Aus zerdrückten Mücken und Fliegen wird der Teig geknetet und in Bananenblättern gebacken. Des weiteren werden in Teilen von Afrika Ameisen, Termiten, Käferlarven, Raupen und Grashüpfer gegessen. Einige Insekten wie Termiten werden gleich nach dem Fang roh gegessen, während andere zuvor gebacken oder gebraten werden.\r\nIn Kambodscha haben die jungen Männer eine Schwäche für gegrillte Taranteln. Sie sollen die Potenz stärken. Die geröstete Riesenwasserwanze wird in Asien vorzugsweise am Stück verzehrt. In Thailand findet man solche riesigen Wasserwanzen auf den Märkten sowie frittierte Heuschrecken und verschiedene Käferarten. In Japan werden Zaza-mushi – eine Art Blutegel – als teure Delikatesse in der Konserve angeboten. Köche in Papua-Neuguinea sind für ihre Sagomaden bekannt. Sie werden oft gekocht oder über dem offenen Feuer geröstet. Andere essbare Insekten dieses Landes sind Mottenlarven, Wespen, Schmetterlinge, Libellen, Käfer, ausgewachsene Grashüpfer, Zikaden, Phasmiden, Motten und Grillen. Bekannte, von den Philippinos gegessene Insekten, sind Junikäfer, Grashüpfer, Ameisen, Maulwurfsgrillen, Wasserkäfer, Feldheuschrecken, Heuschrecken und Libellenlarven. Sie können gebraten, gegrillt oder in Gemüse geschwenkt werden. In Mexiko werden Grashüpfer und andere essbare Insekten auf Dorfmärkten kiloweise verkauft und vor dem Verzehr gebraten. Viele werden auch in Dosen als gebratene Grashüpfer, mit Schokolade überzogene Ameisen usw. verkauft. Lebende „Jumiles“ (Stinkkäfer) werden dort mit heißer Chilisauce „betäubt“, bevor sie in Tortillafladen als „Tacos“ eingerollt werden. Des weiteren werden Tortillas in vielen Restaurants von Mexiko City mit roten und weißen Agavenwürmern serviert. Die kolumbianische Bevölkerung erfreut sich des Verzehrs vieler Arten von Insekten wie Termiten, Palmenmaden und Ameisen. Ameisen werden zerstoßen und zum Bestreuen von Brot verwendet. In Australien stehen im Kühlregal vorverpackte „Witchetty-Maden“, die schon die Vorväter aßen. [3] [8] [10] Insektenliebhaber schwärmen von dem charakteristischen und vorzüglichen Geschmack der Insekten, viele dieser Insekten kann man auch frittieren. Heuschrecken sollen außen knusprig, innen zart und cremig sein und einem angenehm süßen Geschmack haben. Gut gebratene Grillen haben einen knusprigen, scharfen Geschmack. Taranteln -roh genossen- erinnern an Mandeln und die Grillen sollen ein nussiges Aroma haben. Rohe Larven der gemeinen Wespe haben auch einen süßen, nussigen Geschmack. Die größeren Wachsmotten-Larven schmecken gut durchgebraten angeblich wie Speck und schmelzen im Mund. [1] [3] Mache Insekten sind giftig, andere verursachen Allergien. [3] Die Insekten fallen als Nahrungsmittel unter die Novel-Food-Verordnung [7].

Nährwerte der Insekten

Insekten stellen eine ausgezeichnete Eiweißquelle dar, sind reich an Mineralstoffen, Vitaminen und sind vor allem cholesterin- sowie kalorienarm, da sie nur geringe Fettmengen enthalten. Sie enthalten ebenfalls Ballaststoffe, in Form von Chitin (aus dem Panzer). [1] [10] Bis zu zehn Prozent des Eiweißbedarfs decken die Bewohner in manchen Regionen der Welt ausschließlich aus Insektennahrung. [2] Eine Studie am „Technological Institute of Celaya“ in Mexiko zeigte, dass eine Mahlzeit, die mit Insekten-Larven angereichert wird, nicht nur deren Geschmack verbessert und einen exzellente Quelle für Proteine darstellt, sondern auch essenzielle Fettsäuren enthält. [8] Grillen bestehen beispielsweise zu 12,9 % aus Eiweiß, zu 8,6 % aus Fett und zu 5,1 % aus Kohlenhydraten. Außerdem enthalten Sie 75,8 mg Calcium und 9,5 mg Eisen pro 100 Gramm. Im Vergleich dazu hat Hackfleisch 22,5 Gramm Eiweiß und 14 Gramm Fett, keine Kohlenhydrate, aber nur 18 mg Calcium und 2,4 mg Eisen pro 100 Gramm. [6] Larven haben nahezu den gleichen Proteingehalt wie Fleisch. [8]

Zubereitung der Insekten

Bevor Sie sich nun auf eine Expedition in Ihren Keller begeben, sollten Sie einige Dinge beherzigen. Insekten sind die artenreichste Tierklasse und -wie schon erwähnt- sind nicht alle Exemplare genießbar! Es empfiehlt sich, auf professionelle Lieferanten, wie beispielsweise gut sortierte Zoohandlungen zurückzugreifen. [1] In den Vereinigten Staaten bieten sogar einige Restaurants (Washington, D.C.) auf ihren Speisekarten u.a. auch Insekten an. Dort werden dann so interessante Gerichte wie: „Gebratene Mehlwürmer mit zermahlten Raupen“ angeboten. Insekten ersetzen hier oftmals die normalen Rezeptzutaten. [3] Wenn man die kleinen Krabbler dann auf seinem heimischen Küchentisch beherbergt, können vor der Zubereitung je nach Geschmack und gewünschter Bissfestigkeit Beine, Flügel, Kopf sowie Panzer entfernt werden. [1] Das Gift der Insekten wird in fast allen Fällen beim Erhitzen unschädlich gemacht; denn es wirkt ohnehin nur bei Stichen und nicht bei der Aufnahme über den Verdauungstrakt. [6] Bei der Grille werden die Beine und die Flügel vor dem Rösten entfernt und die äußere Wachsschicht von Kakerlaken wird vor dem Kochen mit Zitronensaft aufgelöst. [3] [5] Am besten eignen sich Insekten für Salate, Beilagen oder Hauptgänge, vereinzelt auch als Dessert. [9]

Rezepte für Einsteiger und Fortgeschrittene

Ob süß-saure Seidenraupen, Termitenstew oder Kakerlaken in Sherrysauce. Es gibt eine Vielzahl von Rezepten zur Zubereitung von Insekten. [5] Die meisten Rezepte basieren auf der hier erhältlichen, begrenzten Anzahl von Insekten, die leicht von Versorgungsfirmen, Tierhandlungen oder Delikatessenläden bezogen werden können. Ameisen, Grillen, Grashüpfer und Mehlwürmer sind die am meisten zum Kochen verwendeten Insekten. [3] Für Einsteiger: Regenwurmpastete [1]
500 g Regenwürmer
30 g Olivenöl
Salz,
schwarzer Pfeffer,
frische Gartenkräuter,
Zitrone
EL Mineralwasser
geschlagenes Ei
½ Tasse Semmelbrösel
½ Tasse Joghurt
Die Regenwürmer von der Erde befreien und zerkleinern. Nicht vergessen sollten Sie die Erde im Inneren des fleißigen Kompostierers. Fett, Zitrone und Gewürze hinzugeben, mit Wasser verrühren. Die Masse formen, mit geschlagenem Ei bestreichen und in Brotbröseln wälzen. In der Pfanne rösten und mit Joghurt servieren.Für Fortgeschrittene:Wolfsspinnen-Spinatauflauf [5]
2 TL Olivenöl,
1 kleine Zwiebel,
1 Knoblauchzehe,
1 Pfund Spinat,
3 Eier,
Feta,
Oregano,
Petersilie,
Pfeffer,
Butter und 24 mittelgroße Wolfsspinnen.
Zwischen Blätterteiglagen füllen, 35 Minuten backen, in Quadrate schneiden – und fertig ist ein nahrhaftes Gericht für vier Personen. Wer noch weitere Inspiration braucht schaut gern mal unter: https://www.wort-spielereien.de/fragen/Abendessen/

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